Erfahrung und Kompetenz
in der häuslichen Pflege

Hilfen fürs Leben in den eigenen vier Wänden

Seit 20 Jahren informieren die Pflegestützpunkte bedürftige Ludwigshafener und ihre Angehörigen über ambulante Angebote – Stadtweit fünf Anlaufstellen

Kunisch FreitagGuter Rat ist hier kostenlos – und das seit mittlerweile 20 Jahren: Die Pflegestützpunkte sind wohnortnahe Anlaufstellen, die pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörige beraten, unterstützten und bei der Organisation der Pflege behilflich sind. In Ludwigshafen gibt es fünf Pflegestützpunkte.

Robert Gerber (Name von der Redaktion geändert) ist seit Kurzem stark dement. Nach einem Krankenhausaufenthalt im Oggersheimer „Guten Hirten“ kam er in die Kurzzeitpflege, wo er sich nicht wohlfühlte. Nun ist er wieder zu Hause. Seine Frau Erika fühlt sich von der Situation überfordert und benötigt dringend Unterstützung. Das ist eine typische Situation, in der die Mitarbeiter der Pflegestützpunkte aktiv werden. „Wir machen dann in der Regel einen Hausbesuch und besprechen, welche Möglichkeiten es gibt“, erläutert Sozialarbeiterin Monika Kunisch vom Pflegestützpunkt Nord/Friesenheim/West.Und da gibt es viele Hilfsangebote: Die Palette reicht von der altersgerechten Umgestaltung der Wohnung, den finanziellen Leistungen der Pflegekassen und ambulanten Hilfen bis hin zu Tages- und Kurzzeitpflege und stationären Pflegeeinrichtungen. „Wir informieren aber auch über ehrenamtliche Hilfsangebote, wie zum Beispiel die Nachbarschaftshilfe“, ergänzt Gabriele Freitag (61), die ebenfalls Sozialarbeiterin und im Pflegestützpunkt Mundenheim/Gartenstadt/Maudach/Rheingönheim beschäftigt ist. Die Beratung der Pflegestützpunkte, das ist den beiden Mitarbeiterinnen sehr wichtig, ist kostenlos und neutral. „Es ist nichts zementiert. Man muss ausprobieren, welche Lösung die beste ist, muss auf Veränderungen reagieren“, berichtet Monika Kunisch (53).

Für die beiden Beraterinnen, die seit der Eröffnung der damals noch vier Pflegestützpunkte in Ludwigshafen am 1. April 1996 dabei sind, ist die Arbeit sehr abwechslungsreich und erfüllend. Sie können alte, kranke und behinderte Menschen und deren Angehörige in schwierigen Situationen beraten und ihnen weiterhelfen. Die komplexe Gesetzeslage rund um Pflegeversicherung und Sozialrecht ist für einen Laien nicht so einfach zu durchdringen. Auch wissen die wenigsten, welche Vielzahl an Hilfsangeboten und auch finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. Oft muss die Pflege sehr schnell organisiert werden, etwa wenn ein vorher noch selbstständiger älterer Mensch nach einem Unfall oder einer Erkrankung aus dem Krankenhaus entlassen wird und sich nicht mehr allein versorgen kann. Oder pflegende Angehörige sind überlastet und suchen Unterstützung. „Die Leute sind meist sehr offen und sehr dankbar“, sagen die Sozialarbeiterinnen.

In den 20 Jahren, in denen es die Pflegestützpunkte jetzt schon gibt, hat sich vieles verändert: „Vor 20 Jahren war die Pflegelandschaft längst nicht so ausgebaut wie heute“, blickt Gabriele Freitag zurück. Mittlerweile gebe es mehr Heime, Tagespflege, aber auch Angebote wie Alltagsbegleiter und haushaltsnahe Dienstleistungen. „Und die Zusammenarbeit untereinander ist – bei aller Konkurrenz – richtig gut, gerade auch durch die Pflegestützpunkte“, sagt Monika Kunisch. Die einzelnen Fälle seien komplexer geworden, die Altersstatistik hat sich nach oben entwickelt, und auch die Zahl der Beratungen hat zugenommen. „Und jetzt werden die Migranten pflegebedürftig“, nennt Gabriele Freitag ein neues Aufgabengebiet, das auf die Berater zukommt.

Nach der Einführung der Sozialen Pflegeversicherung 1995 führte das Land Rheinland-Pfalz ein Jahr später eine flächendeckende Beratungsstruktur ein – und war damit bundesweit ein Vorreiter. Die 135 Pflegestützpunkte, die damals noch Ambulante Hilfezentren (AHZ) hießen, wurden zunächst vor allem den Ökumenischen Sozialstationen angegliedert, die es in der Vorderpfalz bereits seit über 40 Jahren gibt.

Im Jahr 2009 wurden die Beratungs- und Koordinierungsstellen dann zu Pflegestützpunkten ausgebaut. Jeder Pflegestützpunkt ist dabei für etwa 30.000 Menschen zuständig. So hat Ludwigshafen heute fünf Stützpunkte mit zehn Mitarbeitern, drei sind bei den Ökumenischen Sozialstationen angegliedert, eine beim DRK und eine bei einem privaten Pflegedienst. (rad)

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