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Die Scham muss man abgeben

Pflegefall (5):  Altenpfleger Tobias Lehr versorgt auf seiner täglichen Tour in Maudach rund 20 Patienten im Auftrag der Ökumenischen Sozialstation. Gemeinsam mit der Auszubildenden Selina Gärtner fährt er in einem flotten Kleinwagen von einer Haustür zur nächsten. Wir haben das Pflege-Duo an einem sonnigen Vormittag  begleitet.

Lehr„Das hier war mal unser Wohnzimmer“, sagt die 83-jährige  fast so, als wollte sie sich dafür entschuldigen, dass daran nur noch ein großer runder Tisch mit Spitzentischdecke und ein schöner alter Schrank erinnern. Nur Kopf und Schultern der Frau in dem  Krankenbett mitten in dem hellen Raum mit Blick auf einen gepflegten Garten sind zu sehen. Ihr Körper ist unter einer großen gemusterten Bettdecke verborgen. Wo jetzt das Bett und ein gut sortiertes Regal mit Utensilien für die tägliche Pflege der Gelähmten stehen, habe sich früher einmal eine gemütliche Sitzecke mit Glastischen befunden, erklärt der 80-jährige Ehemann. Aber das sei jetzt  schon  über fünf Jahre her. So lange sei seine Frau nun schon bettlägerig und auf Pflege angewiesen.    Ein Tumor im Brustwirbelbereich sei damals zu spät erkannt worden.  Seit 56 Jahren geht das Ehepaar nun schon durch dick und dünn, erzählt der  Hüne mit dem Schalk im Blick und schenkt seiner Frau ein  Lächeln, das sie augenzwinkernd erwidert. Um sich um die Seine zu kümmern, sie täglich zu pflegen, habe er alle Aktivitäten aufgegeben, „das ist jetzt nun eben so“, sagt er ganz ohne Bitterkeit.Für die tägliche Körperpflege klingelt  täglich gegen  10 Uhr der Pflegedienst an der Tür des Maudacher Hauses. Pfleger Tobias Lehr von der Ökumenischen Sozialstation Ludwigshafen hat heute die Auszubildende Selina Gärtner an seiner Seite. Aus hygienischen Gründen streifen sich beide zunächst grüne Kittel und Handschuhe über und waschen und  die Frau dann mit geübten Griffen auf ihrem ewigen Lager. „Die Scham muss man spätestens an der Krankenhauspforte abgeben“, sagt die Patientin, die auch gegen eine Reporterin als Zuschauerin bei der täglichen Prozedur nichts einzuwenden hat. Einige wenige Handgriffe schafft sie noch allein. Pfleger Tobias und Selina warten geduldig links und rechts neben dem Bett, bis sich ihre Patientin mit dem Waschhandschuh durchs Gesicht gefahren ist.

PflegerBeim  Beziehen der Wechseldruckmatratze hilft der 80-jährige Ehemann mit. Jeder Griff sitzt. Mit einer  fließenden Bewegung befördert Pfleger Tobias seine Patientin erst auf die eine Seite des Bettes, dann auf die andere und schließlich wieder in eine bequeme Liegeposition, nachdem alles gerichtet ist. Insbesondere der Blasenkatheter, der so wie heute alle vier Wochen gewechselt werden muss. Am Schluss wird die 83-Jährige wieder gut zugedeckt, sodass nur noch das freundliche Gesicht zu sehen ist.

Während Pfleger Tobias seine Arbeit am großen Tisch mit der Spitzendecke dokumentiert, erzählt der Ehemann noch von den drei Töchtern und Enkelkindern, deren Fotos an der Wand hängen. Dass eine Tochter selbst Krankenschwester ist, darüber ist das Ehepaar sehr froh. Die habe nämlich seinerzeit bei der Einrichtung des Krankenzimmers darauf geachtet, dass alles praktisch und gut zugänglich  ist.

Wenn der Pflegedienst seine Arbeit gemacht hat, dann kocht der 80-Jährige für sich und seine Frau das Mittagessen – „heute muss ich nur wärmen, es ist noch Lasagne von gestern übrig“. Nachmittags schaut sie fern: „Zwei Schnulzenserien“, wie sie erzählt, „ein bisschen Kitsch muss sein“, oder beobachtet die Vögel im Garten. Während er drinnen und draußen ein wenig herumwerkelt und am Ende des Tages hofft, dass beide eine ruhige Nacht haben, die Schmerzen für seine Frau erträglich bleiben.

„Bis morgen“, verabschieden sich die Pfleger Selina und Tobias und steuern mit einem Kleinwagen den nächsten Patienten an. Die 21-Jährige absolviert gerade eine Ausbildung zur Altenpflegerin im Hans-Bardens-Haus in der Gartenstadt. Im zweiten Ausbildungsjahr gehören Stationen zum Beispiel in der ambulanten Pflege und in der stationären Krankenpflege dazu. Daher verstärkt sie derzeit das Team der Sozialstation. Die hübsche junge Frau aus der Gartenstadt mit dem langen dunklen Pferdeschwanz wirkt ausgeglichen und zufrieden, hat den ganzen Vormittag ein Lächeln im Gesicht. Durch ihre Mutter, die auch in der Altenpflege arbeitet, ist sie auf den Beruf aufmerksam geworden, sagt sie. Bei einem Praktikum und einem freiwilligen sozialen Jahr habe sie schließlich gemerkt: „Das ist das Richtige für mich“, berichtet Selina Gärtner.

Eine sogenannte unterstützende Pflege kann die künftige Altenpflegerin schon allein erledigen. Daher setzt ihr Kollege Tobias sie vor der Haustür eines Patienten ab, bevor auch der 38-Jährige ein paar Straßen weiter bei der nächsten Patientin klingelt. Der Badener, der seit sechs Jahren für die Sozialstation arbeitet, ist ein alter Hase in seinem Fach. Schon seit 20 Jahren arbeitet er als Altenpfleger, davon über 15 Jahre für ambulante Dienste. Als Bezugspflegekraft ist er täglich ab 6.45  Uhr bis zum frühen Nachmittag für Patienten in Maudach zuständig. „Wenn wir zu den Menschen nach Hause kommen, dann betreten wir deren Welt und müssen auf jeden Patienten eingehen“, lautet seine Devise. Während manche sehr förmlich seien, würden andere einen eher deftigen Umgangston schätzen. Der überwiegende Teil der Patienten sei sehr freundlich. Aber natürlich komme es auch vor, dass jemand mal einen schlechten Tag habe. Das müsse man dann aushalten.  Besonders bei Patienten mit leidvollen Geschichten hat Tobias Lehr dafür  Verständnis.

Eine 85-jährige Dame gehört nicht zu dieser Minderheit. Sie freut sich offensichtlich auf den kurzen Besuch des smarten jungen Mannes, der ihr die Trombosestrümpfe überstreift, die sie schon bereitgelegt hat. Nach einer Hüftoperation ist sie noch nicht wieder ganz auf den Beinen. Aber ihr schönes Haus, in dem sie seit dem Tod ihre Mannes allein lebt, ist mit zwei Treppenliften ins Dach und in den Keller ausgestattet. Außerdem hat sie eine Haushaltshilfe und hin und wieder jemanden für den Garten erzählt sie. Nach über 40 Jahren in ihrem schönen Heim wolle sie dieses nicht aufgeben, auch wenn ihre Kinder das  kritisch sehen. Und auch mit der Idee einer 24-Stunden-Betreuung mag sie sich nicht anfreunden: „Ich bin ganz gerne für mich allein.“

Ein Ehepaar, beide 80, freut sich, dass Pfleger Tobias heute nicht nur die Medikamente reicht und Stümpfe anzieht, sondern noch mehr Besuch im Schlepptau hat. „Werner“, ruft Ehefrau Lieselotte ihrem Mann schon aus dem Flur zu: „Ich hab ein Mädchen von der RHEINPFALZ dabei.“  Die beiden haben gleich zwei Exemplare vor sich auf dem Wohnzimmertisch: Die Ludwigshafener und die Kuseler Ausgabe. Denn aus dem malerischen Kreisstädtchen in der Westpfalz stammt das Paar, hat bis 1960 dort gelebt und ist immer noch neugierig auf die   Schlagzeilen aus dem Westrich. Den  Kuseler Tenor Fritz Wunderlich haben beide persönlich gekannt und könnten darüber den ganzen Tag erzählen. Aber dafür ist auf der Tour von Pfleger Tobias keine Zeit eingeplant. Die nächsten Patienten warten schon.